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Wilfried Becker
1970-2000

Wie kam es dazu, dass Sie Lehrer geworden sind?
Eigentlich wollte ich Ingenieur werden. Ich habe aber in der Quarta des Gymnasiums, es gab damals eine sechsjährige Grundschulzeit und daher keine Sexta und Quinta, meine Frau kennengelernt. Wir kennen uns also aus der Schulzeit und sie wollte unbedingt Lehrerin werden und daher habe ich mich entschlossen, auch diesen Beruf zu ergreifen.

Wie lange waren Sie Lehrer?
Ich war von 1959 bis 2000 Lehrer. Meine erste Stelle hatte ich zusammen mit meiner Frau, wir mussten dafür heiraten, auf Amrum in der Schule An der Satteldüne. Es war eine einklassige Landschule mit allen Klassen zusammen im Unterricht. Wir gingen beide für ein Jahr nach Amrum und bekamen zugesichert, dass wir dann nach Sylt versetzt werden. Meine Frau ist gebürtige Sylterin und ich war seit 1943 in List zu Hause.
Ich bin bis zum 11. Schuljahr in Westerland zur Schule gegangen. Das heutige Gymnasium gab es noch gar nicht. Wir wurden in Baracken unterrichtet die dort standen, wo heute das Altenheim in der Steinmannstraße steht. Dort war übrigens auch das Krankenhaus. Um das Abitur zu machen mussten wir die letzten Jahre nach Niebüll fahren. 1957 war ich fertig mit der Schule und habe dann zwei Jahre eine Ausbildung zum Volksschullehrer in Flensburg gemacht. Mein Spezialfach war Physik.
Auf Amrum hatten wir die Pflicht, an einer Junglehrergemeinschaft teilzunehmen. Junglehrer besuchten sich gegenseitig jeden Monat. Für die 2. Prüfung mussten wir eine Arbeit schreiben und Probestunden geben. Dann wurde meine Frau nach List und ich nach Keitum versetzt. Wir erhielten die Genehmigung, dass wir nicht am Dienstort, sondern in Westerland wohnen durften.
Von 1960 bis 1970 war ich in Keitum Lehrer. Ein paar Jahre war ich mit meiner Frau dort auch zusammen tätig. Ich habe Unterricht in den Klassenstufen 1-9 gegeben. In den Klassen (zwei Jahrgänge waren immer eine Klasse) waren ca. 30-35 Schüler und ich habe alle Fächer unterrichten müssen. Ich war der einzige Sportlehrer. Hugo Green, Gisela Kiepert und Herr Bendfeldt waren meine Kollegen.
Ich wollte gerne zur Realschule wechseln. Da es dort damals keine Physiklehrer gab, hat mich der Schulrat mit einer Abordnung für ein halbes Jahr an die Realschule geschickt.
Ich habe dann neben der Arbeit in den Ferien meine Realschulprüfung nachgeholt. Ich habe die Fächer Physik und Chemie zwei Jahre lang studiert und war 1970 fertig mit den Prüfungen. Dann wurde ich Lehrer an der Realschule Westerland und war dort bis zum Jahr 2000 als Lehrer tätig.      

Welche Fächer haben Sie unterrichtet und was hat Ihnen in der Schule am meisten Freude bereitet?
An der Realschule habe ich natürlich Physik und Chemie unterrichtet. Darüber hinaus auch immer Mathematik, obwohl ich das nie studiert hatte. Informatik, Technik, Werken waren weitere Fächer, die ich unterrichtet habe.
Am meisten Freude hatte ich mit den höheren Klassen. Meine Lieblingsfächer waren Physik, Chemie und auch Mathematik.
Besonders gerne erinnere ich mich an das Fach Technik. Mit einem der ersten Computer für die Allgemeinheit, dem Commodore C 64, habe ich Unterricht im Bereich Steuern und Regeln gemacht. Dort wurde Technik umgesetzt in praktische Dinge. Auch das Fach Werken hat mir viel Spaß gemacht. Dort war mehr die künstlerische Seite gefragt. Wir haben u.a Messingteller getrieben, Holzschalen hergestellt und einmal auch Hampelmänner in Serie gebaut.

Wie sah Schulunterricht anfangs aus, was änderte sich im Laufe des Berufslebens?
Ich hatte nicht so sehr das Gefühl, dass sich die Kinder stark verändert haben.
In jungen Jahren fiel es mir aber sehr viel leichter mit der Schule als in den letzten drei Jahren des Berufslebens. Das ist aber wohl normal und nicht verwunderlich. Insgesamt kam ich gut mit den Kindern aus und sie auch mit mir. 

Wohin gingen Klassenfahrten bzw. Ausflüge?
Meine schönste Klassenfahrt ging in den Wald nach Süderlügum. Dort haben wir einige Tage im Wald mitgearbeitet.
Weitere Ziele waren München, Berchtesgaden zum Skifahren, Benediktbeuern, oft Berlin, Glücksburg, Klein-Waabs.
Massenveranstaltungen wie Schulfeste mochte ich nicht so gerne. Ich habe lieber mit meinen Klassen etwas alleine gemacht. 

An welche Kollegen der Realschule Westerland erinnern Sie sich besonders?
Mit Erich Hoppe habe ich viel zusammen gemacht. Er hatte die gleichen Fächer wie ich. Wir sind heute noch sehr befreundet.
Auch mit Ute Koch habe ich sehr lange gut zusammen gearbeitet. Wir drei sind so ungefähr im gleichen Alter.

Fehlt Ihnen die Schule nachdem Sie in Pension gegangen sind?
Ich hätte wohl gerne noch einige Zeit weiter gearbeitet. Aus privaten Gründen ging das aber nicht. Ich musste das Leben als Pensionär erst lernen. So ganz leicht fiel mir das nicht.
Heute möchte ich aber nach so vielen Jahren außer Dienst nicht wieder neu anfangen.