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Ute Koch
1965- 2003

Lehrerin an der Realschule von 1965 bis 2003

Nach meinem Abitur 1957 gab es für mich kein langes Hin und Her, ich wollte Lehrerin werden oder zumindest mit jungen Menschen umgehen. Da ich 3 Geschwister hatte und besonders mit den beiden jüngeren Brüdern ständige Partner hatte, mit denen ich mich auseinandersetzen musste, war mir das spätere Leben an der Schule schon ganz vertraut. Mein erstes Praktikum in der Lehrerausbildung machte ich an einer „Mittelschule für Jungen“ in Kiel, und das hat mir großen Spaß gemacht, sogar die Klassenfahrt, die ich - mit einem anderen Kollegen natürlich – begleiten musste.

Meine Studienfächer an der Uni in Kiel waren Deutsch und Französisch, was natürlich dazu führte, dass ich für mehrere Monate in Frankreich als Au-pair-Mädchen in einer Familie in Paris wohnen durfte. Meine wichtigsten Kenntnisse in der fremden Sprache rühren noch heute daher, so etwas vergisst man nicht.

Meine erste Anstellung als Lehrerin für Deutsch, Französisch und MUSIK (!) erhielt ich an einer Mädchenschule in Neumünster. Die Mädchen mochten gern singen, und so brachte ich ihnen im Laufe der 3 Jahre viele Lieder bei, eine Begleitung am Klavier war nicht möglich, es gab zumindest am Anfang kein Instrument.

Meine Ferien habe ich wegen der guten Luft oft auf Sylt verbracht und schließlich1964 einen echten Sylter geheiratet, so dass die Insel im Laufe der Jahre meine neue Heimat wurde.

 Im März 1965 stellte ich mich in der Mittelschule in Westerland als „die Neue“ vor, der Unterricht im neuen Schuljahr begann damals nach den Osterferien. Die Umstellung war schwierig, vor allem das Unterrichten in Klassen mit Jungen und Mädchen, was für mich vollkommen neu war. Daran habe ich mich aber gern gewöhnt, und das lag wohl wirklich am früheren Umgang mit meinen Brüdern.

Im Kollegium der Mittelschule unterrichteten nur 3 Frauen mit viel mehr Männern, ich weiß nicht mehr, wie groß das Kollegium war. Wir gingen alle sehr freundlich und korrekt miteinander um, morgens begrüßte man sich per Handschlag. Es gab sicher Phasen, in denen ich an der Lustlosigkeit - vor allem der Jungs fürs Französische – verzweifeln wollte, aber in solchen Situationen bekam ich verständnisvolle Hilfe, zum Beispiel die Französischstunden nicht immer in der 6.Stunde unterrichten zu müssen. Im Sommer gab es dann statt der 6.Stunde für kurze Zeit die „nullte“ Stunde, die um 7 Uhr begann.

Der Neubau der Realschule war im Sommer 1977 fertig gestellt, am Umzug waren Schüler und Lehrer beteiligt. Sehr stolz waren wir auf den „Prachtbau“, und als frühere Lehrerin bin ich doch erstaunt, dass nun so umfangreiche und teure Umbauten vorgenommen werden mussten.

Mein Weiterkommen im Schuldienst wurde 1979 dadurch ergänzt, dass ich Konrektorin wurde. Dieser neue „Job“ bescherte mir u.a. die Aufgabe, den Stundenplan zu erstellen, was damals noch „per Hand“ geschah. Auch die Vertretungspläne gehörten zu meinen Tätigkeiten. Darüber hinaus habe ich gern Entscheidungen mitgetragen, und als es nach der Versetzung eines Schulleiters schwer wurde, einen Nachfolger zu finden, habe ich die Schule kommissarisch ein Jahr geleitet. Das war ein Sprung ins kalte Wasser!

Mit dem Beginn des Schuljahres 1981/82 stellte sich ein neuer Schulleiter ein, mit dem ich dann bis zu meiner Pensionierung 2003 zusammengearbeitet habe.

In der Westerländer Realschule habe ich also fast 38 Jahre unterrichtet. MIR ist es nicht langweilig geworden, ich war sehr gern an dieser Schule. Zu ehemaligen Schülern habe ich immer noch Kontakt, sehr oft auch dadurch, dass sie ihre Kinder in der Realschule anmeldeten. Sehr viele Kollegen habe ich kennen gelernt, zu denen es auch immer noch Verbindungen gibt.

Vieles hat sich im Laufe dieser Jahre geändert. Andere Arbeitsmethoden werden angewendet, der Umgang mit den Schülern fordert ein noch größeres Engagement. Die Auseinandersetzung mit den Eltern halte ich für eine wichtige Aufgabe, die Ansprüche an die Erziehung sind immer größer und ganz anders geworden.

Als ich vor einigen Jahren von einem Sylter Schulleiter gefragt wurde, ob ich wegen eines Engpasses für etwa ein halbes Jahr aushelfen könne, habe ich ziemlich schnell abgelehnt – mit der Begründung, dass ich eine sehr schöne und angenehme Schulzeit als Lehrerin gehabt hätte und diese nicht durch womöglich andere Eindrücke überdeckt werden sollten. Dafür fand ich volles Verständnis.

Die vielen Jahre an der Realschule wurden gekrönt durch eine für mich unvergessliche Verabschiedungsfeier, an deren Gestaltung die Lehrer und Schüler, auch ehemalige, beteiligt waren.

Dass mir der Abschied von der Schule so schwer fallen würde, habe ich selbst nicht glauben können. Und so kann ich es nicht lassen, mich weiterhin für alle Veränderungen im Schulbetrieb zu interessieren. Nur an den anderen Namen muss ich mich noch gewöhnen.