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Hubertus Jessel

Am 13. Januar 1915 wurde ich als Kriegskind der beiden Pädagogen Hans Werner Jessel und Emma Jessel geb. Strunck in Altona geboren. Vater vertraute in Flandern dem Schutzheiligen seines Jägerregiments und nannte mich nach ihm ,,Hubertus". Wir zogen nach Seedorf am Schaalsee um, wo ich die einklassige Schule kennen lernte und die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium in Ratzeburg bestand. Dann kam 1925 der Umzug nach Sylt und nach dem Besuch der Mittelschule die Oberrealschule in Niebüll mit dem Abitur. Obgleich

mein Vater mir abriet, Lehrer zu werden, ging ich von der „Frankfurter Oderzeitung" an die Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt/Oder und wurde 1938 Lehrer. Der Wehrdienst sah mich als Ausbilder und in Verbindung mit meiner Ausbildung zum Piloten als Lehrer für Wetterkunde, Navigation und Truppenführung. Ich heiratete 1944 Use geb. Martz, Tochter zweier Pädagogen. Aus unserer Ehe gingen die Kinder Dörte (1946) und Wolfgang (1948)

hervor. Nach Kriegsende übernahm ich die Schulleitung der Volksschule in Archsum auf Sylt, bewarb mich um die Mittelschule in Westerland und machte autodidaktisch die erforderlichen Examina in Deutsch, Kunst und Werken. Zeitweilig unterrichtete ich im neuen Westerländer Gymnasium in Deutsch und Kunst. Als Kunstdozent wirkte ich 18 Jahre für die Volkshochschule. 1976 ging ich als stellvertretender Schulleiter der Realschule in Pension. Im Ruhestand ergaben sich viele Möglichkeiten, künstlerisch tätig zu sein.

An der einklassigen Schule in Archsum erstellte Herr Jessel mit Schülern eine eigene Fibel. Nach dem Krieg gab es keine Fibeln und Herr Jessel machte sich mit den Kindern zusammen selbst eine Fibel.

„Ich bin gerne Lehrer gewesen und auch im Nachhinein war das ein schöner Beruf. Das Schöne war daran, dass es jeden Tag neue Aufgaben gab. Ich habe mit meinen Schülern nie Ärger gehabt. Wenn die Quark gemacht haben, habe ich auch „gequarkt“. Aus allen Schülern ist was geworden. Auch damals gingen Schüler zu weiterführenden Schulen und haben danach studiert. Auch Klassenfahrten führten in den 70-er Jahren in die Alpen. Dabei fuhr immer ein Elternteil mit.“  

Gerhard Scheer:

Kreativ, immer neue Ideen, phantastisch was er alles gemacht hat, er hat die Insel in all ihren Facetten gezeigt. Das Entwerfen von Marionetten, Wappen, Flaggen, Medaillen. Das Erstellen von Wanderkarten. Ein Multitalent und ein Lehrer, der den Kindern zugetan war.

Nachruf

Am 7. Oktober 2008 verstarb Hubertus Jessel.
Ein immer fröhlicher, überaus engagierter Lehrer, nur noch wenigen Kollegen an der Westerländer Realschule bekannt, hat diese Welt zu Beginn der langen Sylter Herbstferien verlassen.
Viele seiner ehemaligen Kollegen haben in den Jahren nach seiner Pensionierung mit Interesse und Bewunderung seinen unermüdlichen Einsatz im Bereich der Kunst, des Sports, des Insellebens, des friesischen Brauchtums verfolgt. Zudem hat er immer engen Kontakt gehalten zu seinen ehemaligen Schülern - es gab kaum ein Klassentreffen, zu dem Hubertus Jessel nicht eingeladen wurde, und die Begegnungen mit den "Ehemaligen" hat er immer durch viele Geschichten aus dem gemeinsamen Schulleben bereichert.
Die Realschule Westerland hat ihm viel zu verdanken, zumal da er in seiner Funktion als Konrektor maßgeblich an der Gestaltung des Schullebens beteiligt war. Unvergessen sind seine frohe Schaffenskraft, seine täglich gute Laune, mit der er so manchen Mitarbeiter anstecken konnte.
Ein langes Leben ist ihm vergönnt gewesen. Vielen Syltern wird er durch seine Tätigkeit als Lehrer und als Mensch, dem Sylt und seine Erhaltung am Herzen lag, im Gedächtnis bleiben.

Gerhard Scheer
Dr. Claus Andersen
Birgit Boysen
Nils Kirsten
Klaus Vollgraf
Ute Koch
Wilfried Becker
Erich Hoppe
Niko Johannsen