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Birgit Boysen
Schülerin von 196 bis 1972
Lehrerin von 1980 bis 2000

SCHULE –gestern und heute

Ein subjektiver Vergleich

Vor fast 30 Jahren endete meine Schulzeit, doch wenn ich heute während der Pause das Schulgelände betrete, dann beschleicht mich das Gefühl, dass sich in all den Jahren  nichts geändert hat: die kleineren Schüler toben nach wie vor ungestüm ihren noch vorhandenen Bewegungsdrang aus und die größeren stehen in Grüppchen herum, unterhalten sich angeregt und betrachten das Gewusel um sie herum mit herablassender Duldung.
Doch spätestens wenn man nach der Pause in das Gebäude kommt, machen sich erste Veränderungen bemerkbar. Die Flure sind erfüllt von mehr oder minder zielgerichteter Geschäftigkeit, die fast nahtlos in  den oftmals offenen Unterricht übergeht.
Zu meiner Zeit waren die Flure lediglich Durchgangsbereich zu den Klassen, die nur durch das Aufhängen der Jacken mit Leben gefüllt wurden.
Zu Unterrichtsbeginn, spätestens mit dem Erscheinen der Lehrkraft, schlossen sich die Türen zu den Klassenzimmern und die Flure waren für die nächsten 45 Minuten verwaist.
Der Unterricht verlief in der Regel geordnet, mit dem/der Lehrer/in vor der Tafel bzw. am  Pult, der/die bemüht war, ihre Schülerschaft mit mehr oder weniger interessantem Frontalunterricht zu motivieren. Wochenpläne, Projektarbeit oder gar offene Unterrichtsformen hatten zu der Zeit den Weg in den Schulalltag noch nicht gefunden.
Der Unterricht wurde im wesentlichen getragen durch die Person der Lehrkraft und deren Fähigkeit, die Inhalte des Unterrichts zu vermitteln. Moderne Medien wie Overheadprojektoren, Videorekorder oder Computer hatten noch nicht Einzug in den täglichen Lernalltag gehalten.
Was heute als nahezu undenkbar gilt, war damals normal : Bücher, authentisches Material oder das Lernumfeld selbst waren Anschauungsmaterial und Ausgangsstoff für das Lernen neuer Zusammenhänge. Kontakte in die ganze Welt über das Internet oder computergestütztes Üben von Grammatik -heute nahezu unverzichtbarer Bestandteil des Stundenplans - war damals noch Zukunftsmusik.
Für  heutige Schülerohren hört sich das zwar ,,echt öde" an, hat aber rückblickend doch etwas für sich gehabt.
Neben der Unterrichtsorganisation hat sich auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern verändert.
Lehrkörper wurden im allgemeinen als Respektspersonen anerkannt, die aber je nach Durchsetzungsvermögen und Strenge auch zu meiner Zeit schon mit respektlosen Schülern ihre liebe Not hatten. Nur gab es keinen beharkbaren Schulhof, der sich zur Bearbeitung nach dem regulären Unterricht anbot, so dass die Strafen aus sogenannten Strafarbeiten (schriftliche Ausarbeitungen in beliebiger Länge) , Nachsitzen oder Einträgen ins Klassenbuch bestanden, deren
Häufung zu Tadeln führte, die wiederum im Zeugnis als negative Verhaltensnoten auftauchten. Derartige Bemerkungen waren dann Anlaß zu ernsthaften Gesprächen mit den Eltern des Störenfrieds und übten schon damals meist ebenso wenig Einfluß auf dessen Verhalten aus wie heute.
Also scheint sich in der Beziehung zwischen Schülern und Lehrern kaum etwas geändert zu haben, aber ich meine doch, dass sich Unterschiede finden lassen. Denn wenn  damals ein Schüler als ,,frech" bezeichnet wurde, dann war da immer noch eine gewisse Distanz zur Person der Lehrkraft zu spüren, während manche Schüler heute eine derart grenzenlose Undiszipliniertheit an den Tag legen,  die jeder Beschreibung spottet.
Zwar ist das Klima zwischen Lehrern und Schülern heutzutage oft eher freundschaftlich, was aber leider nicht jedem Schülergemüt zuträglich ist. Strenge Lehrer/innen gab es früher und es gibt  sie heute, und häufig sind es gerade diejenigen, die nach wie vor noch eher akzeptiert werden als die lieben Charaktere, die gestern wie heute zu Opfern desinteressierter oder überforderter Kinder werden.
Gerade diese ,,strengen Pauker" sind es, an die man sich nach so vielen Jahren als Originale der Schulzeit erinnert. Es waren gestandene Persönlichkeiten, die oft irgendeine für sie typische Eigenschaft oder ,,Macke" an sich hatten ,die damals Anlaß zur Belustigung gab und jetzt als wesentliches Persönlichkeitsmerkmal in Erinnerung bleibt.
In der heutigen Zeit scheint es merklich schwieriger zu sein, als Person mit Stärken und Schwächen  akzeptiert zu werden, da jede Schwäche umgehend zum Nachteil für die betroffene Lehrperson rücksichtslos ausgenutzt wird.
Somit bleibt festzustellen, dass heute einiges anders ist als vor 30 Jahren:
Schüler, Lehrer, Unterrichtsmethoden -und schwerpunkte haben sich gewandelt und werden sich auch weiterhin gemäß den Entwicklungen der Gesellschaft verändern.
Man neigt dazu, die eigene Schulzeit in der Erinnerung zu beschönigen und nur noch die guten Dinge zu sehen, und doch bleibt so etwas wie Wehmut zurück, die aber sicher ein Schüler in der Zukunft ebenso für seine Schulzeit empfinden wird, nur von einer anderen Ausgangsposition betrachtet.
Schule - damals  und heute - das sind zwei Welten, die vieles gemeinsam haben, aber sich doch stets auch in vielen Dingen unterscheiden, da sie neuen Impulsen und Einflüssen unterworfen sind.

Gerhard Scheer
Hubertus Jessel
Dr. Claus Andersen
Nils Kirsten
Klaus Vollgraf
Ute Koch
Wilfried Becker
Erich Hoppe
Niko Johannsen