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Christine Ploog,
ehemals LiA, jetzt Lehrerin

Das Leben einer LiA (Lehrerin in Ausbildung) an der Realschule Westerland

Das Studium ist vorbei, die Examensprüfungen sind bestanden und neben der Frage „Was ziehe ich zum Examensball an?“ steht eine noch viel größere „Wo werde ich meine LiA-Zeit verbringen?“. Zwei Jahre Ausbildung und am Ende das Zweite Staatsexamen, die letzte Stufe, um meinen Wunschberuf vollends ausüben zu können.

Endlich der erlösende Anruf. Ich kann wählen zwischen zwei Schulen, einer auf dem Festland und einer auf der Insel Sylt. Meine Antwort kam ruck zuck „Ich wähle Westerland auf Sylt!“.
Und nun bin ich seit dem 1. Februar 2008 hier an der Realschule Westerland. Ich fahre jeden Morgen mit der NOB hierher auf die Insel. In den ersten Semestern vertiefte ich mich dabei in ein Buch oder träumte noch mit Musik im Ohr. Ab Niebüll hatte ich Gesellschaft, denn einige Kollegen stiegen zu. Es wurde über Fußball gesprochen, Beobachtungen in der vorüberziehenden Landschaft miteinander geteilt und diverse Entscheidungen, wie „Noch ein Frühstück oder gleich zur Schule?“, wurden auch noch gefällt. Nun, im letzten Semester, kam eine neue Kollegin an unsere Schule, die ebenso in Husum wohnt. Wir wurden zu Reisegefährtinnen und festigten einige sehr wichtige Rituale, wie Tee und Picknick im Zug. Auch wenn die An- und Abreise einen großen Teil meiner Zeit einfordert, ist mein Schulalltag natürlich bestimmender.
Als ich mir das erste Mal die Schule angesehen hatte, war ich total begeistert, alles war bunt, freundlich und offen. So wie ich mir eine Schule oft gewünscht, aber nicht so oft gefunden habe. Jetzt bin ich ja schon fast zwei Jahre hier und es freut mich immer noch, wenn ich durch die Eingangstür komme und ein neuer Schultag beginnt.
Nachdem ich in den Klassen immer sicherer mit den Namen der Schülerinnen und Schüler wurde und auch das Kollegium „abgespeichert“ war, ging es im ersten Semester an eine größere Hürde: der Schulalltag. Unterrichtsvorbereitungen, Pausenaufsichten, Klassenarbeiten und Tests erstellen, sowie korrigieren, Konferenzen, …, an alles muss gedacht werden und somit war der nächst logische Schritt: „Ein Lehrerkalender muss her!“. Planung ist das halbe Leben und so trage ich diese Hälfte mit mir in der Tasche herum und versuche alles rechtzeitig zu schaffen. Zeitmanagement ist das A und O!
In den folgenden Semestern konnte ich mich einer größeren Herausforderung stellen, die ich im ersten Semester öfter als Wunsch geäußert hatte: Das Klassenlehreramt. Ein riesen Spaß, der aber natürlich auch etwas mehr Zeit beansprucht. Es war ein tolles Gefühl vor der Schülergruppe zu stehen und zu wissen, dass man sie nun durch den Schulalltag begleiten kann. Die Schüler waren sicherlich überrascht, dass sie zwei Klassenlehrerinnen hatten, denn meine Kollegin und ich teilen uns dieses Amt. Aber inzwischen hat sich dieses Prinzip in unserer Klasse gut durchgesetzt und für die Schüler ist es einfach toll, dass sie zwei Ansprechpartner haben.

Nun gut, neben dem Klassenlehreramt, einem eigenen WPK-Kurs, …, gab es großartige Erlebnisse bei Tagesausflügen und den Dreharbeiten mit Schülergruppen. Aber was neben dem Schulalltag eigentlich die größte Anstrengung war, tja, das waren die Reisen an den Mittwochen durch ganz Schleswig-Holstein. Ich habe unter anderem Lauenburg, Timmendorfer Strand, Kiel, Lübeck, Rendsburg und Flensburg sowie kleinste Dörflein, die nicht mal auf einer Karte eingetragen sind erkundet und habe dabei wahrscheinlich meinen Meister im Lesen von Stadtplänen gemacht. Teil meiner Ausbildung sind verschiedene Seminare, die ich an unterschiedlichen Orten besuchen muss. Dort bekomme ich Einblicke in andere Schulstrukturen, in anderen Schulunterricht von Kollegen und fachliche Bereiche. Ein Riesenspaß im Grunde und super interessant, man bekommt wohl nicht wieder die Gelegenheit so viele Schulen zu besuchen, aber die Anreise war zeitweilig echt anstrengend. Meine Unterrichtsplanung musste ich auch immer danach ausrichten, denn die Seminare gingen den ganzen Tag und dazu kam dann ja auch noch die Rückfahrt, also musste der Unterricht für den Donnerstag bereits Dienstag fix und fertig sein. Dieser Teil gehört eben auch zum Leben einer LiA.

Wenn ich jetzt mal zurückschaue, dann fallen mir viele Momente ein, die besonderen Stellenwert in meiner LiA-Zeit haben. Besondere Erwähnung muss hier ein wiederkehrendes Phänomen finden: der stete Versuch wurde unternommen mich davon zu überzeugen, dass Kaffeekochen, als LiA, ja wohl zu meinen ersten Aufgaben gehört. *zwinker* Das war wohl nix, da bissen die Kollegen auf Granit! Freiwillig schenkte ich schon Kaffee auf, aber drängen ließ ich mich natürlich nicht, aus Prinzip!
Es ist einfach super hier an der Schule zu unterrichten. Fast jeden Tag passiert etwas Neues und ich sammle Erfahrungen. Mein Zweites Staatsexamen habe ich inzwischen bestanden und meine LiA-Zeit beendet. Ich bin nun Lehrerin und habe meinen Wunschberuf nun endgültig erlernt. Die zwei Jahre sind nun fast um, und ich blicke auf viele tolle Erfahrungen, Erlebnisse mit den Schülern, die enge Zusammenarbeit im Kollegium und das angenehme Schulklima zurück. Es hat einen Riesenspaß gemacht diese aufregenden zwei Jahre hier an der Realschule Westerland zu verbringen. Sie haben mich in meiner Entwicklung geprägt und gestärkt.
       Christine Ploog

Ach so: Der Strand liegt zwar vor der Tür, aber dies ist kein Klassenzimmer am Strand mit Badetuch und Sonnencreme. Ehrlich!